Am vergangenen Freitag hat das Klinikum Leer gemeinsam mit zahlreichen Gästen das Richtfest für den Erweiterungsneubau an der Augustenstraße gefeiert. Mit dem traditionellen Fest wurde ein wichtiger Meilenstein des umfangreichen Bauprojekts erreicht.
Geschäftsführerin Daniela Kamp begrüßte die Gäste der Feierstunde. Unter ihnen waren Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Groote, die Mitglieder des Aufsichtsrates und des Kreistages sowie Vertreter des Krankenhausvereins Rheiderland. Auch die am Bau beteiligten Architekten, Fachingenieure und ausführenden Unternehmen, Vertreter von Banken und Versicherungen sowie die baubehördlichen Begleit- und Genehmigungsstellen waren vor Ort. Ein besonderer Willkommensgruß galt auch den anwesenden Mitarbeitenden des Klinikums sowie allen weiteren Gästen.
Auf einer Bruttogeschossfläche von insgesamt rund 18.750 Quadratmetern entstehen unter anderem eine neue Eingangshalle, zusätzliche OP-Kapazitäten, eine Station für die Verlagerung der Gefäßchirurgie von Weener nach Leer, Räumlichkeiten für die Etablierung einer ambulanten Rehabilitation sowie eine neue interdisziplinäre Wahlleistungsstation.
In ihrer Begrüßung nahm Daniela Kamp den traditionellen Ursprung des Richtfestes auf: „Bei aller Feierlaune diente das Richtfest im Mittelalter dazu, den Handwerkern zu danken, offene Rechnungen zu begleichen und das Haus vor Unglück zu bewahren. Unsere Handwerkerfeier findet aus organisatorischen Gründen etwas später statt und die Rechnungen werden alle pünktlich beglichen. Somit feiern wir dieses Richtfest also, um das Haus vor Unglück zu bewahren.“
Dass eine derart große Baustelle unmittelbar vor einem Krankenhaus und zugleich im laufenden Betrieb besondere Herausforderungen mit sich bringt, verdeutlichte Kamp anschließend mit einer Anekdote. So hatte ein Patient während der Arbeiten des Bombenräumkommandos aufmerksam beobachtet, dass nicht alle Probebohrungen mit Zement verfüllt worden waren. Seine Sorge, dass dadurch möglicherweise eine Gefahrenstelle entstanden sein könnte, konnte schnell ausgeräumt werden: Die betreffenden Bereiche lagen auf dem Areal der künftigen Tiefgarage, in dem der Boden vollständig abgetragen wird.
Einen besonderen Dank richtete die Geschäftsführerin an alle Beteiligten: „Ein großes Dankeschön gilt den bauausführenden Firmen, unseren Mitarbeitenden und unseren Patienten für das Verständnis, die Geduld und gegenseitige Rücksichtnahme.“
Im Anschluss setzte das Bauunternehmen Hockmann die Richtkrone feierlich auf. Polier Heinrich Westerhoff sprach in traditioneller Handwerkerkluft den Richtspruch. Er dankte den Handwerkern, bat um Gottes Segen für das neue Gebäude und wünschte dem Haus Glück und Frieden.
Auch Landrat Matthias Groote würdigte in seiner Ansprache die Leistungen aller am Bau Beteiligten. „Wo vorher Baugruben und Schalungen waren, erhebt sich inzwischen ein Gebäude, das die Zukunft des Klinikums Leer sichtbar macht. Deshalb möchte ich zunächst allen danken, die diesen Fortschritt möglich gemacht haben. Ein Krankenhaus umzubauen, während es gleichzeitig rund um die Uhr funktioniert, gehört sicherlich zu den anspruchsvollsten Bauaufgaben überhaupt. Dass dies hier so gut gelingt, ist alles andere als selbstverständlich.“ Mit dem Erweiterungsbau werde ein klares Bekenntnis zum Krankenhausstandort Leer abgelegt. „Wir investieren in Qualität, in moderne Medizin und in die Menschen, die hier täglich Verantwortung übernehmen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass das Klinikum Leer auch künftig ein leistungsfähiges, wirtschaftlich solides und zukunftsfähiges Krankenhaus für Ostfriesland bleibt“, so Groote.
Architekt Thomas Rettig vom beauftragten Generalplanungsbüro agn aus Bremen hob ebenfalls die Bedeutung des Richtfestes hervor: „Ein Richtfest ist auch immer ein Moment des Innehaltens. Es erinnert uns daran, dass ein Bauwerk nicht allein aus Beton, Stahl und Glas besteht, sondern aus einer gemeinsamen Idee, Verantwortung und dem Willen, Zukunft zu gestalten.“
Für einen humorvollen Abschluss sorgte Bauunternehmer Helmut Hockmann, der in alter Tradition ein plattdeutsches Gedicht über den Erweiterungsneubau vortrug und damit für zahlreiche Lacher im Publikum sorgte.
Bauarbeiten schreiten voran
Der Baufortschritt ist inzwischen deutlich sichtbar. Im ersten Bauabschnitt, in dem insbesondere die neue Eingangshalle und die Erweiterung der OP-Kapazitäten entstehen, ist der Rohbau bis zum 5. Obergeschoss fertiggestellt. Der weitere Ausbau der OP-Erweiterung in diesem Bereich soll bis etwa Anfang 2027 erfolgen.
Im zweiten Bauabschnitt ist der Rohbau bereits bis zum 1. Obergeschoss fertiggestellt. In diesem Gebäudeteil werden unter anderem die Tiefgarage, weitere Stationen sowie die Räumlichkeiten für die ambulante Rehabilitation entstehen. Der Rohbau wird in den kommenden Monaten bis zum 5. Obergeschoss weitergeführt.
Im dritten Bauabschnitt laufen derzeit noch Restarbeiten an der Spundwand. Ein Rohbau ist in diesem Bereich noch nicht sichtbar, da die Fläche aktuell als Zuwegung für die Baustelle des zweiten Bauabschnitts benötigt wird. Der weitere Bodenaushub beginnt in dieser Woche. Die Gesamt-Rohbaufertigstellung ist derzeit für September 2027 vorgesehen.